Förderverein Versöhnungskirche Leipzig e.V.

Eine bebilderte Zusammenfassung (PDF) der Bauliche Sanierung und Restaurierung der Versöhnungskirche Leipzig-Gohlis in den Jahren 1993–2016 zum download oder ansehen.

Geschichtliches

Gründung der Gemeinde Leipzig - Gohlis - Nord: 01.01.1913
Erster Gottesdienst der neuen Gemeinde mit der Amtseinführung von Pfarrer Lic.
Gottfried Naumann: 04.05.1913
Amtseinführung von Pfarrer Dr. Johannes Herz, unter dem später die Versöhnungskirche gebaut wurde: 03.10.1915
Namensgebung: Am 01.06.1920 erhielt die Gemeinde den Namen „Versöhnungsgemeinde“

Ausschreibung des Wettbewerbs für den Neubau der heutigen Versöhnungskirche: 10.7.1928
Entscheidung des Preisgerichts: 23.10.1928
Erster Preis an den Leipziger Architekten Hans Heinrich Grotjahn
Erster Spatenstich: 09.07.1930
Grundsteinlegung: 31.08.1930
Glockenweihe: 20.09.1931
Kirchweihe: 06.03.1932

Bauleiter und Architekt: Hans Heinrich Grotjahn
Bildhauer: Max Alfred Brumme
Er ist der Schöpfer der gesamten bildkünstlerischen Ausstattung bis hin zum Entwurf der liturgischen Gegenstände, aber mit Ausnahme der Fenster. Die Fensterentwürfe stammen von den Kunstmalern Odo Tattenbach (Berlin) und Curt Metze (Leipzig).

Bauausführung:
Die ausführenden Gewerke kamen fast ausnahmslos aus Leipzig. Es werden hier nur einige genannt: Fa. Eduard Steyer: Stahlbeton - Arbeiten, Fa. Albin Neumann: Erd-, Maurer- und Verputz - Arbeiten, Fa. Franke und Nöllert, Zimmermanns - Arbeiten, Fa. Einsiedel und Nachf., Fa. Paul Kretschmann und Fa. Altschuh und Kluge: Steinsetzer –Arbeiten.

Veränderungen am Geläut:
Am 13.6.1942 mußten die C- und die E - Glocke des bronzenen C - E - G - Geläutes zu Kriegszwecken abgegeben werden. An Stelle dieser beiden Glocken traten zur Glockenweihe am 31.10.1954 Stahlglocken.

Man muß der Kirche in Gohlis das Zeugnis geben, daß es eine theoretisch und praktisch sorgsam durchdachte Leistung ist. Architekt und Bauherrin haben hier mit kongenialem, verständnisvollem Können zusammengearbeitet und ein edles Werk geschaffen, das ihnen Ehre macht und dem wegen seiner Einheitlichkeit und Harmonie von Kunst und technischer Zweckerfüllung ein hoher Rang zuerkannt werden muss.

Paul Brathe:
Zwei neue evangelische Kirchen in Leipzig. In Monatsschrift für Gottesdienst und kirchliche Kunst 40 (1935) S. 51 f., zitiert aus "Stadt Leipzig - Die Sakralbauten II;, S.1136 f)"

Zur Baugeschichte der Furtwängler & Hammer-Orgel der Versöhnungskirche Leipzig-Gohlis (siehe: Festschrift zur Orgelweihe 2005)

Januar 1929
Dr. Johannes Herz, Pfarrer der Versöhnungsgemeinde, Hans Heinrich Grotjahn, Leipziger Architekt des Kirchen-Neubaus und Professor Johannes Biehle aus Bautzen, maßgeblicher Sachverständiger für Orgelfragen, legen den Standort der Orgel fest.

August 1930
Thomasorganist (ab 1939 Thomaskantor) Professor Günther Ramin übergibt den ersten Dispositionsentwurf, den er gemeinsam mit dem Kantor der Versöhnungsgemeinde, Herbert Schulze, erarbeitet hat. Dieser Entwurf sieht 42 Register auf 3 Manualen und Pedal vor und enthält Mensur- und Legierungsangaben für die Pfeifen.

September 1930
Die Orgelbauanstalten Gebrüder Rieger,Mocker/Oberschlesien, Emanuel Kemper & Sohn, Lübeck, Furtwängler & Hammer, Hannover und Wilhelm Sauer, Frankfurt/Oder werden in die Ausschreibung einbezogen und legen Kostenangebote vor, die sich zwischen 34.910,00 RM und 37.895,00 RM bewegen. Außerdem bewerben sich noch die Orgelbauanstalten E. F. Walcker &Cie., Ludwigsburg, H. Hülle, Neuhaldensleben, W. Thurau, Bautzen und H. Eule, Bautzen. Das gründlichste, übersichtlichste und preiswerteste Angebot stammt von der Firma Furtwängler & Hammer, für das sich Architekt Grotjahn am 08.10.1930 entscheidet.

29. 11. 1930
Pfarrer Dr. Herz, Architekt Grotjahn und Studienrat Schmidt, Vorsitzender des Kirchenneubau-Ausschusses, fahren nach Berlin undHamburg, um sich Orgeln der Firma Furtwängler & Hammer anzusehen und anzuhören.

14. 04. 1931
Herz und Grotjahn begründen schriftlich ihre Entscheidung für das Angebot von Furtwängler & Hammer, da es in der Kirchgemeindevertretung auch unüberhörbare Stimmen für das Angebot von Kemper Sohn gibt.

22. 04. 1931
In der Sitzung der Kirchgemeindevertretung wird zwischen den Angeboten von Furtwängler & Hammer und Kemper & Sohn geheim abgestimmt mit dem Ergebnis: Furtwängler & Hammer: 22 Stimmen, Kemper & Sohn: 6 Stimmen.

Juni 1931
Herz bittet Ramin, eine kleinere Disposition zu entwerfen, da für den Orgelneubau nur 30.000,00 RM zur Verfügung stehen und das Landeskonsistorium den darüber hinaus gehenden Betrag nicht stützen kann. Auch die Firma Furtwängler & Hammer unterbreitet mehrere Entwürfe mit Einsparungsvorschlägen, z. B. Transmissionen, die aber alle noch über der Summe von 30.000,00 RM liegen.

14. 07. 1931
Ramin teilt mit, dass er eine neue Disposition für eine Orgel mit nur zwei Manualen und dem Verzicht auf Schleifladen ausarbeiten wird.

17. 07. 1931
Ramin übergibt eine neue Disposition mit 33 Registern auf 3 Manualen und Pedal. Im Entwurf wird nicht auf die Schleifladen verzichtet!

29. 07. 1931
Die Orgelbauanstalt Furtwängler & Hammer legt zwei auf dieser Grundlage erarbeitete Angebote vor. Dem zweiten Angebot stimmt Ramin zu.

24. 09. 1931
Herz erteilt Furtwängler & Hammer den Auftrag zur Lieferung und zum Einbau der Orgel mit der Auflage, dass die Orgel am 20.02.1932 abnahmefertig ist und dass alle Fragen zum Orgelgehäuse mit dem Architekten direkt zu klären sind.

11. 12. 1931
Furtwängler & Hammer teilen mit, „dass die neue Orgel im Laufe der nächsten Woche zum Versand kommt.“

21. 12.1931
Die Orgelteile werden in der Versöhnungskirche eingelagert.

28. 12. 1931
Der Aufbau der Orgel ist abgeschlossen. Am gleichen Tag findet in dem alten Gemeindesaal der letzte Gottesdienst statt.

29. 02. 1932
„1/2 6 Uhr nachmittags“ erfolgen Prüfung und Abnahme der Orgel durch Günther Ramin ohne nennenswerte Beanstandungen.

06. 03. 1932
In einem Festgottesdienst werden Kirche und Orgel geweiht.

20. 12. 1935
Ein Orgelkonzert mit Werner Buschnakowski wird vom Reichssender Leipzig übertragen. Zahlreiche hochrangige Konzerte von Buschnakowki werden in der Folgezeit dargeboten.

In den Jahren von 1954 bis 1964 gibt es ernsthafte Bestrebungen, die Orgel umzudisponieren, mit einem Pfeifenprospekt zu versehen oder sie sogar auf die Südempore zu versetzen, eventuell auch als Neubau. Aus architektonischen, liturgischen und nicht zuletzt aus finanziellen Gründen sind diese Maßnahmen – zum Glück - nicht zur Ausführung gekommen. Soli Deo Gloria!

Nach 1989/1990 wurde durch die Kirchgemeinde (Kirchenvorstand, Bauausschuss, Vertreter der Kirchenmusik) langfristig die dringend notwendige Restaurierung der Orgel mit der Wiederherstellung des Originalzustandes vorbereitet.

Die Restaurierung des Instrumentes hat die Orgelwerkstatt Christian Scheffler aus Sieversdorf auf der Grundlage eines Vertrages vom Oktober 2003 übernommen. Die Weihe des vollständig restaurierten Instrumentes fand am 23. Januar 2005 statt. Im Einvernehmen mit dieser Orgelwerkstatt wird die Orgel jetzt betreut durch Herrn Kantor und Orgelbaumeister Stefan Pilz (Leipzig).

Zur Baugeschichte, zusammengestellt von Heiner Darre.